„Wir haben doch nur die Website gebaut.“
Diesen Satz hören wir regelmäßig von Agenturen, die plötzlich mit einer Abmahnung, einer Beschwerde oder einer Haftungsforderung konfrontiert werden.
Aus Sicht der Agentur ist die Situation oft eindeutig. Der Kunde hat die Inhalte geliefert, die Bilder ausgewählt oder die eingesetzten Tools vorgegeben. Die Agentur hat lediglich die technische Umsetzung übernommen.
So einfach ist die Sache jedoch nicht immer.
Denn in vielen Fällen stellt sich die Frage, ob die Agentur tatsächlich nur ausführend tätig war oder ob sie ihren Kunden beraten, Empfehlungen ausgesprochen oder bestimmte Entscheidungen selbst getroffen hat.
Genau an diesem Punkt beginnen die rechtlichen Risiken.
Der Irrtum vom reinen Dienstleister
Viele Agenturen betrachten sich als technische Umsetzer. In der Praxis übernehmen sie jedoch häufig deutlich mehr Verantwortung.
Es werden Plugins empfohlen, Tracking-Tools eingebunden, Cookie-Banner eingerichtet, Datenschutzerklärungen übernommen oder Bilder auf der Website platziert. Oft werden sogar komplette Websites eigenständig entwickelt und veröffentlicht.
Je stärker die Agentur in solche Entscheidungen eingebunden ist, desto schwieriger wird später die Argumentation, man habe lediglich Anweisungen des Kunden ausgeführt.
Wenn die Datenschutzerklärung fehlt
Ein typisches Beispiel aus der Praxis ist der Datenschutz.
Der Kunde geht davon aus, dass die Agentur weiß, welche Tools eingebunden wurden und welche Informationen in die Datenschutzerklärung aufgenommen werden müssen.
Die Agentur wiederum geht davon aus, dass der Kunde sich selbst um die rechtlichen Texte kümmert.
Am Ende fehlt die Beschreibung eines eingesetzten Dienstes oder ein Tracking-Tool wurde überhaupt nicht berücksichtigt.
Kommt es später zu einer Beschwerde oder Abmahnung, stellt sich schnell die Frage, wer für diesen Fehler verantwortlich ist.
Bilder sind ein Dauerbrenner
Ein weiteres Risiko besteht bei der Verwendung von Bildern.
Häufig stellt der Kunde Bilder zur Verfügung. Manchmal sucht aber auch die Agentur passende Fotos aus oder bindet diese direkt auf der Website ein.
Wird später festgestellt, dass keine ausreichenden Nutzungsrechte bestanden, geraten nicht selten beide Seiten in den Fokus. Der Rechteinhaber interessiert sich zunächst vor allem dafür, wer die Rechtsverletzung verursacht hat und wer wirtschaftlich dahintersteht.
Das neue Risiko: Barrierefreiheit
Seit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes rückt ein weiteres Thema in den Vordergrund.
Viele Unternehmen erwarten von ihrer Agentur, dass neue Websites automatisch den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Gleichzeitig gehen zahlreiche Agenturen davon aus, dass Barrierefreiheit ausschließlich Aufgabe des Kunden sei.
Diese unterschiedlichen Erwartungen führen häufig zu Konflikten, wenn später festgestellt wird, dass die Website die Anforderungen nicht erfüllt.
Auch Empfehlungen können problematisch werden
Besonders kritisch wird es, wenn Agenturen rechtliche Aussagen treffen.
Wer seinem Kunden beispielsweise zusichert, eine bestimmte Lösung sei „datenschutzkonform“, „rechtssicher“ oder „garantiert zulässig“, übernimmt unter Umständen deutlich mehr Verantwortung als beabsichtigt.
Aus einer technischen Empfehlung kann schnell eine rechtliche Beratung werden.
Genau deshalb sollten Agenturen sehr genau darauf achten, welche Aussagen sie gegenüber Kunden treffen.
Wie sich Agenturen schützen können
Die meisten Haftungsfälle entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus unklaren Zuständigkeiten.
Der Kunde geht davon aus, dass die Agentur sich kümmert. Die Agentur geht davon aus, dass der Kunde verantwortlich ist. Solange alles funktioniert, fällt dieser Widerspruch nicht auf.
Problematisch wird es erst dann, wenn eine Beschwerde, eine Abmahnung oder eine behördliche Anfrage eingeht.
Klare Verträge, eindeutige Leistungsbeschreibungen und eine saubere Abgrenzung zwischen technischer Umsetzung und rechtlicher Beratung können helfen, spätere Streitigkeiten zu vermeiden.
Fazit
Agenturen haften nicht automatisch für jeden Fehler ihrer Kunden. Wer jedoch Websites entwickelt, Tools integriert, Inhalte einbindet oder rechtliche Empfehlungen ausspricht, bewegt sich häufig näher an einer möglichen Verantwortung, als ihm bewusst ist.
Deshalb lohnt es sich, die eigenen Verträge, Prozesse und Kundenkommunikation regelmäßig zu überprüfen.
Denn die teuersten Probleme entstehen oft nicht durch technische Fehler, sondern durch unklare Erwartungen auf beiden Seiten.